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Die europäische Finanzkrise spitzt sich immer weiter zu. Die Probleme sind länderübergreifend, wie bei einer Epidemie breiten sie sich rasant aus. Der Virus heisst: „Massive Staatsüberschuldung“.
Fast in jedem Staat werden Ausstiegsszenarien aus der Europäischen Union durchgespielt.
Europäische Staatsanleihen
Die großen institutionellen Anleger liquidieren massiv ihre Positionen in europäischen Staatsanleihen. Sie sind Euro-müde und glauben den Politikern kein Wort mehr. Sie sind sich nun sicher, dass das Staatsschuldenproblem nicht gelöst werden kann. Dies hat gravierende Folgen.
Dramatischer Zinsanstieg
Der dramatische Anstieg der Zinsen für europäische Staatsanleihen am Dienstag ist die Folge einer fast panischen Kapitalflucht aus Europa. Außer Deutschland waren alle Staaten betroffen, auch solche, die bisher als sicher galten wie die Niederlande, Finnland oder Österreich.
Keiner will kaufen
Es gebe keine „Erholung, keinen Umschwung der Gefühle“, sagte „Jim Leaviss von M&G“, einem der größten Vermögensverwalter Europas. „Die Leute wollen ihr Positionen liquidieren, und keiner will kaufen. Es gibt keine Käufer mehr.“
Italien nach Berlusconi
Auch der Amtsantritt von Mario Monti als Berlusconi-Nachfolger interessiert niemanden mehr. Es sei zwar nett, dass Monti nun eine Technokraten-Kabinett formen will, aber „es wird Jahre dauern, die Schulden und die Wettbewerbsfähigkeit Italiens auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen“, sagte John Stopford vom südafrikanischen Vermögensverwalter Investec.
Griechenland nach Georgios Papandreou
Auf Papandreou folgt in einer Übergangsregierung Loukas Papademos. Er war maßgeblich an der Einführung des Euros in Griechenland beteiligt. Damit darf man ihm getrost eine Mitschuld an den Tricksereien der Griechen um die Aufnahmekriterien zu erfüllen, geben. Die griechische Finanzkrise ist vor allem auch eine gesellschaftliche Krise. 60 Milliarden Euro schulden die Griechen ihrem Staat, der nicht in der Lage ist seine Steuern einzutreiben. Hunderte Milliarden Euro sollen im Ausland versteckt sein. Der Pranger soll es nun richten. Griechenland will die Namen der Personen, die Steuern schulden an den Pranger stellen und öffentlich bekannt machen. Eine Demonstrationswelle jagt die andere, die Bevölkerung will, ja kann vielleicht nicht sparen. Der Schuldenschnitt wird für Januar erwartet. Die Bundesrepublik Deutschland und andere EU-Länder rechnen in einem worst-case-Szenario auch mit dem Austritt Griechenlands aus der Europäischen Union.
Spanien – Zapatero vor dem Regierungsaus
Madrid - Spanien wird wahrscheinlich bald einen neuen Regierungschef haben. Statt José Zapatero wird, nach aktuellen Umfragen, wohl der jetzige Oppositionsführer Mariano Rajoy das Kommando übernehmen. Daran gab es am Samstag nach Abschluss des Wahlkampfes kaum noch Zweifel. Und es könnte ein Erdrutschsieg für ihn und seine konservative Volkspartei (PP) werden.
Letzten Umfragen zufolge hatte die PP rund 15 Prozentpunkte Vorsprung vor der bislang regierenden Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) mit ihrem Spitzenkandidaten Alfredo Pérez Rubalcaba; die Konservativen könnten im Parlament sogar eine absolute Mehrheit erringen. Die konservative Tageszeitung "ABC" schrieb auf ihrer Titelseite unter einem Foto Rajoys: "Vor dem Wechsel."
Die spanische Wirtschaft wurde von der weltweiten Finanzkrise 2008 stark getroffen. Im dritten Quartal dieses Jahres war das Wachstum gleich Null, die Arbeitslosigkeit liegt bei 21,5 Prozent, unter Jugendlichen sogar bei 45,8 Prozent.
6,975 % Zinsen muss Spanien für Anleihen aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation zahlen. Zona de rescate, zu Deutsch Rettungszone. So nennen spanische Medien den Bereich jenseits von sieben Prozent Zinsen. Als Länder wie Griechenland, Portugal und Irland so hohe Zinsen zahlten, mussten sie mit Finanzhilfe der EU gestützt werden. An diesem Punkt ist Spanien nunmehr angelangt.
Die Menschen sind Euro müde
Viele Menschen ignorieren die Krise, wollen sie nicht zur Kenntnis nehmen, verstehen sie nicht. Alles sei extrem brüchig, jede schlechte Schlagzeile oder ein paar schlechte Daten können alles wieder über den Haufen werfen, sagte ein Trader in London. Chris Iggo von Axa Investment Managers sagte: „Mit jeder Ankündigung wird die Wirkung geringer, gerade bei positiven Meldungen. Viele Leute sind einfach Euro-müde. Wir sind 100% überzeugt, dass nicht genug getan wird. Es sind eine Menge Landminen da draußen.“ Mike Riddell von M&A sagte, der Dienstag sei „wahrscheinlich der am meisten beunruhigende Tag“ der Krise gewesen.
Ein US-Banker: „Jedermann sucht nur noch den Ausgang.“ Nicht überraschend kommen alle zu demselben Fazit: Nur die Europäische Zentralbank könne nun den totalen Crash verhindern.
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